Wie eine Organspende abläuft TEIL 2

Hi Leute. Was jetzt folgt ist nichts für schwache Nerven, schon gar nicht für solche, die mit operativen Vorstellungen nicht umgehen können.

Was ich euch in diesem Post näher bringen möchte, ist nämlich die ganze Operation. Wie läuft eigentlich eine Lungentransplantation ab? Ich spreche der aus meiner Erfahrung und aus Recherchen im Internet, denn etwas mitbekommen hab ich ja (Gottseidank) durch die Narkose nicht. 

Sobald der Patient im Land der Träume schwebt, beginnt die Operation damit, dass unterhalb der Brust (etwa 7-8 cm unter der Brustwarze) je einen Schnitt Richtung Achselhöhle gemacht wird. Dann wird der erste kranke Lungenflügel entfernt. Damit der Chirurg an diese kommt, werden die Rippen mittels Zange auseinander gepresst. Das kann auch zu Rippenbrüchen führen. Der Chirurg durchtrennt den Hauptbronchus, also den Hauptast der Bronchien (siehe Bild am Ende), die Lungenarterien sowie auch die Lungenvenen. Damit der Blutkreislauf im aufrecht erhalten wird, wird oftmals eine Herzlungenmaschine eingesetzt, so auch in meinem Fall. Dann entfernt er das kranke Organ und setzt das Spendeorgan ein. Der Chirurg vernäht nun den Hauptbronchus, die Lungenvenen und auch die Lungenarterien der Spenderlunge mit denen des Patienten. Hier muss besonders darauf geachtet werden, dass keine Einengungen entstehen und das Gewebe rund um den Hauptbronchus geschont wird, da nach der Transplantation das Bronchialsystem über keine eigene Blutversorgung mehr verfügt. Die Blutzufuhr erfolgt nach der Operation über das Gefässystem der Lunge.

Das selbe Spiel folgt dann auf der anderen Seite. Bei meiner Krankheit ist es üblich, dass beide Lungenflügel transplantiert werden. 

Das ganze klingt auch nach einer easy Routine Operation. Ist es scheinbar auch, jedoch dauert eine solche Operation 8-10h.

 

Nach der Operation befindet sich der Patient noch immer im Tiefschlaf. Man wird durch einen Tubus künstlich beatmet, solange, bis die neue Lunge von selbst arbeitet. Das hat sie bei mir zum Glück ziemlich schnell. 

Nach einer solchen Operation braucht es viel Zeit, manche mehr, manche weniger, um wieder zurück ins Leben zu finden. Oftmals konnte man vor der Operation nicht mal mehr selbst duschen und von einem Tag auf den anderen soll alles wieder möglich sein? Das unterschätzen leider viele Menschen. Oft höre ich, du bist ja jetzt wieder gesund. Aber das bin ich nicht. Die Krankheit befällt zwar nun nicht mehr meine Lunge, aber ich trage sie immer noch in mir. Meine Bauchspeicheldrüse ist eigentlich das beste Beispiel, dass die Krankheit immer noch da ist. Durch die Cystische Fibrose ist mein Darm viel langsamer als der eines nicht-kranken. Dazu kommen die vielen Medikamente die den Darm noch träger macht als er sonst schon ist. Der arme Kerl kann dann die Nahrung oft nicht so abtransportieren wie er sollte und daraus resultiert ein DIOS. 

Abgesehen von diesen Beschwerden, gibt es da noch die Seelentierchen, die mich immer wieder in die Zeit, in der es mir sehr schlecht ging, zurück gleiten lassen. Im negativen Sinne.

Man kann sich das so vorstellen:

Ein Zebra wird von einem Löwen gejagt. Wird es nicht erwischt, zittert es die Todesangst, die es hatte, aus. Danach lebt es weiter wie bisher, als wäre nichts gewesen. 

Ich hatte diese Zitterphase nie. Heisst, bei mir war von einem Tag auf den anderen das ganze Leben wieder gut, lebenwswert. Mein Hirn hat das ganze erlebte so in einem völlig falschen Bereich des Hirns abgespeichert, in dem, der (berechtigt) Angst auslösen soll. Es werden also durch bestimmte Trigger, sprich Erlebnisse oder Erinnerungen, Gefühle ausgelöst, die eigentlich in diesem Ausmass völlig fehl am Platz sind. 

Nun, ihr seht, hinter dieser Transplantation steht nicht nur der Physische Prozess sondern auch der psychische, und dieser begleitet einem oft länger und intensiver als der körperliche. 

hier seht ihr, was man unter dem Hauptbronchus versteht
hier seht ihr, was man unter dem Hauptbronchus versteht

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