Fortsetzung once upon the time

Es war die erste Nacht seit langem, die ich wieder friedlich schlief. Als ich am Morgen aufwachte war das ganze sehr unreal im ersten Moment. Schon nur die Tatsache, dass sich gleich drei Pfleger in meinem Zimmer befanden und ich zuerst dachte, meine Werte seien den Bach hinunter. Mittlerweile kannte ich alle Pfleger auf dieser Station. Aber was diese eine Frau hier machte, wusste ich nicht. Ich kannte sie nicht. Sie hielt in der Hand einen Plastiksack mit vielen BlutRöhrchen drin. Ich dachte im ersten Moment nicht daran, dass diese für mich bestimmt sein könnten. Ich war Lustlos. Als die Drei merkten, dass ich wach bin, begrüssten sie mich und schraubten weiter an meiner Infusion herum. Im nächsten Moment sagte die Schwester, die ich von der Station kante, ich dürfe nichts mehr essen. da war für mich schon klar was heute, am 27.09.2014, endlich passieren würde. auch wenn mir die Krankenschwester noch nichts definitives sagen konnte. Sie durfte nicht. Ich WUSSTE ES. Etwa eine halbe Stunde später bekam ich dann auch das definitive okay. Ich fühlte nichts. Da war diese Leere in mir drin. Ausserdem war ich so vollgepumpt mit Beruhigungsmittel dass ich das ganze irgendwie gar nicht richtig wahr nahm. Ich rief meinen Papa, meine Mama an. Beide weinten. Ich wollte nicht, dass irgendwer noch zu mir fahren musste. Ich wollte alleine sein, es hätte mich nur noch mehr aufgewühlt. Und nach diesem definitiven Okay wusste ich, dass jetzt nur noch alles Besser werden kann. Ich hatte nicht einmal mehr Angst, während der OP zu sterben. Denn eigentlich wäre ich mental letzte Nacht schon von dieser Welt gegangen. Wenn ich heute darüber nach denke, ist es wie in der Liebe. Es kommt wenn man es am wenigsten erwartet. Und so war es. Hätte ich Mir es anders gewünscht? Ja. Ich hätte ganz ehrlich viel Lieber zu Hause gewartet. Ich hätte mir gewünscht, dass irgendwann dann das Telefon klingelt und ich dann so erfahre dass ich eine neue Lunge bekomme. Aber diese Prozedur die ich da durchgemacht habe, die wünsche ich SO keinem. 

Eigentlich hätte ich um 12 Uhr abgeholt werden müssen. als die Schwester mich gerade holen wollte, klingelte ihr Diensthandy. Die Lunge hatte 2 Stunden Verspätung. Das war der Moment, in dem ich echt meine letzte Kraft in Panik vergeudete. Ich hatte das Gefühl, man habe mir jetzt die Lunge komplett abgesagt. Und zwei Stunden sind verdammt lang. Ich versuchte mich damals mit Sudoku abzulenken. Und dann war es soweit. Ich wurde in den OP geschoben. Meine Pfleger die mich Wochenlang begleitet hatten, winkten mir ein letztes Mal zu. Dann wurde mir die Maske vom Gesicht genommen, ein letztes Mal, durch eine OP-Beatmungsmaske ersetzt und dann, dann schlief ich friedlich ein. Es fühlte sich wie fliegen an. 

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